Für viele Menschen, die sich zu Tieren, zur Natur und zu einer gewissen Lebensweise hingezogen fühlen, ist der Beruf des Tierpflegers ein Traum, der jedoch nicht immer in Erfüllung geht. Dabei ist in der täglichen Arbeit mit Tieren kaum Platz für Improvisation. Eine hochwertige, einheitliche und vollständige Ausbildung ist von wesentlicher Bedeutung. Sie vermittelt Fachkenntnisse, wissenschaftliche Kompetenzen und die nötigen „Soft-Skills“. In unserem Kynologie-Team der Fondation Barry absolvieren derzeit vier Auszubildende ihre Lehre.
Die Ausbildung der künftigen Tierpfleger dauert drei Jahre und ist gleichermassen von theoretischem Unterricht wie praktischen Erfahrungen geprägt. Sie führt zu einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Theoriekurse finden drei Mal pro Woche in Lausanne statt. Dort lernen die Auszubildenden die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Tierarten, ihre Verhaltensweisen, Ernährung, Gesundheit sowie die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.


Für den Rest der Woche beteiligt sich unser Nachwuchs an der täglichen Pflege und Aufzucht der Tiere der Stiftung. Dazu gehören Reinigung und Unterhalt der Gehege, die Futterzubereitung, die Pflege der Tiere und Kontrolle ihres Gesundheitszustands, die Anreicherung ihrer Umgebung und die Begrüssung von Besuchern. Mit wachsender Erfahrung kümmern sie sich auch um Hunde mit höheren Ansprüchen und bekommen es mit zunehmend herausfordernden Situationen zu tun. Am Ende der Lehrzeit weiss jeder Lehrling zum Beispiel, wie man von der Nase bis zum Schweif die Gesundheit eines Hundes checkt und ggf. die nötigen Massnahmen einleitet.
Unterschiedliche Fertigkeiten
„Dieser Beruf ist körperlich ebenso anspruchsvoll wie psychisch; man braucht dafür eine gewisse Leidenschaft, aber auch Willensstärke und den nötigen Ernst“, betont Alexandra Piatti, seit neun Jahren Tierpflegerin und Ausbilderin bei der Fondation Barry. Im Verlauf der Ausbildung müssen zahlreiche Fertigkeiten entwickelt werden. Über das reine Fachwissen hinaus sind auch persönliche Aspekte von Bedeutung, wie Geduld, Beobachtungsgabe, Disziplin und die Fähigkeit, unter manchmal schwierigen Bedingungen oder zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten.

„Hunde haben ein sehr feines Gespür für Menschen. Um mit ihnen zu arbeiten, muss man also erst einmal an sich selbst und seinen Emotionen arbeiten“, erklärt Alexandra. In diesem Prozess spielt sie die entscheidende Rolle. Sie gibt ihr Know-how und ihre Erfahrungen weiter und begleitet die Auszubildenden in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung. „Die Chloé aus dem ersten Lehrjahr ist nicht mehr dieselbe, die die Ausbildung abschliessen wird“, ist sich Chloé Ricco, Lehrling im dritten Lehrjahr, sicher. Dank regelmässiger Evaluierungen, konstruktiver Gespräche und persönlicher Beratung kann sie sich ständig weiterentwickeln. „Ich passe meinen pädagogischen Ansatz an jede einzelne Persönlichkeit an“, erläutert Alexandra, die jedes Mal von Neuem gerührt ist, wenn sich eine Ausbildung dem Ende zuneigt. Sie entlässt ihren Schützling auf dessen weiterem Lebensweg, kappt die unterstützenden Verbindungen und erlaubt ihm so, sich selbst zu entfalten.
Text : Andrea Zollinger
Fotos : Nicolas Beiner