
Alles beginnt zunächst ganz unspektakulär. Als ihre Mutter an Demenz erkrankt und in ein Pflegeheim kommt, nimmt Marianne bei ihren Besuchen den von ihrer Mutter übernommenen Labrador mit. Sie beobachtet die unmittelbare Wirkung des Hundes auf die Bewohnerinnen und Bewohner: Blicke hellen sich auf, Gesten wirken entspannter, Worte kommen zurück. Mit Felina, einer Bernhardinerhündin mit von Natur aus offenem Wesen, bestätigt sich ihre Intuition dann später endgültig. „Manche Hunde haben diese besondere Gabe, eine Verbindung zu schaffen“, sagt Marianne – noch heute sichtlich bewegt.
Sie nimmt Kontakt mit der Fondation Barry auf, absolviert mit Felina die Ausbildung zum Sozialhundeteam und findet darin ihre Berufung. Nach Felinas frühen Tod hilft die 2-jährige Lynn über den Verlust. Zwei Monate später kommt noch Apollo in die Familie. 2024 absolvieren beide gemeinsam die Ausbildung der Stiftung. „Es war eine wunderbare Erfahrung. Und beide haben sich als hervorragend geeignet erwiesen“, fasst Marianne zusammen.
Lynn und Apollo ergänzen sich perfekt. Apollo, gross und ruhig, fühlt sich besonders in Pflegeheimen wohl. Er lässt sich geduldig umarmen und streicheln und schenkt allein durch seine Präsenz schon Sicherheit. Lynn ihrerseits ist feiner im Gespür und arbeitet besonders einfühlsam mit Menschen mit psychischen Erkrankungen. Beide sind auch im Umgang mit Kindern engagiert. Ein Umfeld, in dem sich Vertrauen und Motivation oft innerhalb weniger Minuten entwickeln … oder eben gar nicht.
Ganz konkret
Im Alltag kommt es immer wieder zu bewegenden Szenen. In der PUK etwa erhöht eine zunächst sehr zurückhaltende Patientin während eines Waldspaziergangs plötzlich ihr Schritttempo, nachdem sie uns gebeten hat, sehr langsam zu gehen. Auch bat sie uns bei der Verabschiedung, unbedingt noch einmal dabei sein zu dürfen.
An einem anderen Tag erzählt eine junge Frau, dass ihr die Arbeit mit Lynn geholfen habe, ihr Gedankenkarussell zum Stillstand zu bringen. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird Apollo je nach Situation zum Lesepartner, Lernbegleiter oder mitunter Seelsorger oder sogar zum Suchhund, nachdem zwei Schüler ausgerissen waren. Den Hund bürsten, ihn führen, ihm eine Geschichte vorlesen: einfache Gesten, die Sicherheit vermitteln und Vertrauen aufbauen. „Manchmal ist es wie ein Schlüsselmoment und zutiefst berührend“, so Marianne, die sich in solchen Augenblicken selbst ganz auf den Moment einlässt.



Für sie steht fest: „Die Freude, die Hunde schenken, ist unglaublich.“ Jede Begegnung zeigt aufs Neue, dass ein Hund Türen öffnen kann, wo Worte allein nicht ausreichen. Dabei verliert sie das Wohl ihrer Bernhardiner nie aus dem Blick. „Sie sind stets voll und ganz dabei. Sobald ich die Tasche für einen Einsatz packe, springen sie freudig ins Auto“, erzählt sie lächelnd. Sollte diese Begeisterung eines Tages fehlen, würde sie sie niemals drängen. Dann würden sie ihr rotes Halstuch mit der Aufschrift „Barry on mission“ ablegen und in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen. So wie viele vor ihnen.
Dank der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern ermöglicht die Fondation Barry mit zahlreichen Sozialhundeteams tägliche Einsätze in der ganzen Schweiz. Bis heute haben rund dreissig Hunde die Ausbildung absolviert, die sie zu sozialen Interventionen befähigt. Das international anerkannte Ausbildungsprogramm gewährleistet höchste Qualitätsstandards. Jeder Einsatz wird sorgfältig dokumentiert und begleitet, ganz im Sinne des Wohlergehens, die Begünstigten wie auch die Bernhardiner.