Wenn in der ruhigen Umgebung am Stadtrand der Tag anbricht, ist das ganze Rudel bestehend aus 32 Bernhardinern bereits wachsam. Draussen sind vertraute Schritte zu hören. Die Hunde wissen: Ein ereignisreicher Tag beginnt. Ob hier in der Zuchtstätte, im Barryland oder unterwegs… etwa bei einem Sozialeinsatz oder im Sommer auf dem Grossen Sankt-Bernhard-Pass.

Um 7:30 Uhr treff en sich die sechs diensthabenden Tierpfl egerinnen und Tierpfl eger zur kurzen Lagebesprechung. Vor dem grossen Whiteboard werden Aufgaben verteilt, Beobachtungen notiert und der Gesundheitszustand jedes einzelnen Hundes besprochen. „Das ist unser Moment, um uns auszutauschen und den Tag vorausschauend zu planen“, erklärt Déborah Dini, die seit über zehn Jahren Teil des Teams ist.

Einige Hunde brechen gleich zur ersten Runde auf, andere lassen es ruhiger angehen und spielen zunächst im Auslauf. Die Umgebung der Zuchtstätte – insbesondere das Ufer der Rhone – bietet ideale Bedingungen für Entdeckungstouren. Jede Spur, jeder Geruch aus der Nacht wird zu einer kleinen Expedition. Die Spaziergänge im Rudel sind besonders wichtig für diese Zuchthunde, die nicht als Einzelhunde in einer Familie leben. „Wir bleiben stets aufmerksam: ein Fuchs, ein fremder Hund, eine potenzielle Gefahr… sie sind schnell neugierig“, sagt Déborah mit professioneller Gelassenheit. Andere Teammitglieder reinigen unterdessen sorgfältig alle Boxen oder bereiten die zahlreichen Futternäpfe vor, die später gleichzeitig verteilt werden.
Gegen 9:00 Uhr machen sich sechzehn Hunde auf den Weg ins Barryland, dem nur wenige Kilometer entfernten Museum, das ganz dem Bernhardiner gewidmet ist. Sie fahren im speziell für sie eingerichteten Van und freuen sich sichtlich auf das bevorstehende Abenteuer, die Begegnungen mit dem Publikum und einen abwechslungsreichen Tag. Nach der Ankunft bringen ihnen die Tierpflegerinnen und Tierpfleger des Museums das Frühstück, während der Rest des Rudels in der Zuchtstätte frisst.
Bei der Zusammenstellung der Gruppen gehen die Verantwortlichen mit grosser Sorgfalt vor. Sympathien, Rivalitäten, läufige Hündinnen oder besonders enge Duos werden ebenso berücksichtigt wie das allgemeine Gleichgewicht des Rudels. Jede Konstellation wird in den Mobiltelefonen festgehalten, damit es zu keinen Verwechslungen kommt.
Das Barryland verfügt über vier verglaste Boxen, in denen jeweils vier Hunde untergebracht sind. Dort können sie sich in Ruhe ausruhen und verdauen, denn das Publikum kommt nicht vor 10:00 Uhr. Für diese grosse Hunderasse ist eine entspannte Verdauungsphase besonders wichtig. Danach beginnen die Aktivitäten des Tages: Bürsten, Reinigen, Pfotenkontrolle, Spiele und gezielte Übungen. Zwei Spaziergänge im Wald rund um das Museum strukturieren den Tagesablauf zusätzlich.

Ein besonderer Vorteil des Barrylands besteht darin, dass viele dieser Tätigkeiten vor den Augen des Publikums stattfinden. Und doch handelt es sich dabei um ganz alltägliche Routinen. Die Hunde, die in der Zuchtstätte geblieben sind, folgen einem ähnlichen Programm, jedoch ohne Zuschauer.
Um 17:00 Uhr erhalten alle ihre zweite Mahlzeit. Die Hunde aus dem Museum kehren nach 18:00 Uhr in die Zuchtstätte zurück und schliessen sich wieder dem Rudel an. Nach und nach kehrt Ruhe ein, bis die Nacht schliesslich die wohlverdiente Erholung bringt.
Text : Andrea Zollinger
Fotos : Nicolas Beiner